Ankunft

Ich habe beschlossen, meine Schwester in Indien zu besuchen. Sie wohnt in Chennai (unten rechts von Indien), einer 7-Millionen-Stadt, und arbeitet dort in einer Schule bzw. College einer NGO, einer Nichtregierungsorganisation.

 

Die Tocher der Chefin dieser NGO hat uns im Herbst 2009 mal in Leipzig besucht. In geselliger Runde bei uns zu Hause entstand dann die Idee, dass ich meiner Schwester ja mal über die Schultern schauen und den Kindern etwas Werken-Unterricht geben könnte.

 

Ich habe dann im Herbst letzten Jahres tatsächlich die Freigabe meiner Gattin erhalten, allein nach Indien fahren zu dürfen. Mitten in einer weinbeseelten Nacht hab ich dann auch das Ticket im Internet bestellt – bei  STA Travel.

Mit der schicken Fluggesellschaft Emirates geht es am 11.01.2010 von Leipzig (Zug) nach Frankfurt, per Flieger dann nach Dubai und nachts dann weiter nach Chennai. Kurz vorm Reisenantritt lass ich mir noch eine Typhusimpfung verabreichen. Die Reiseapotheke besteht aus Durchfallmitteln, Schmerzmitteln und Whisky.

 

Pünktlich 6.00 morgens am 11.01. stand das Taxi in unserer stark zugeschneiten Straße zu Hause in Leipzig. Nachdem ich mit unseren Nachbarn zu Dritt das Taxi anschoben, kam ich auch pünktlich am Hauptbahnhof Leipzig an. Bis Frankfurt lag Deutschland komplett unter einer Schneedecke.

 

Im Gepäch habe ich zwei Taschen und einen Rucksack. Eine der beiden Taschen – die schwerere von beiden – ist mit Werkzeug für den Unterricht vollgestopft. Bügelsäge, Fuchsschwanz, Feile, Bohrer, Schleifpapier, Schraubzwingen, Nägel, Schrauben, Schraubendreher usw. usw.

 

Der Flieger startet mit 2 Stunden Verspätung gegen 16.00 Uhr in Frankfurt – wahrscheinlich war ein Triebwerk vereist – und landet im mollig warmen Dubai gegen Mitternacht (Dubai-Zeit). 2.50 Uhr geht es weiter nach Chennai. In Leipzig waren es 8 Grad unter Null, in Chennai sind es 30 Grad warm.

Während der Flug nach Dubai schön war, mit tollem Essen, zwei Rotwein und drei Filmen (Days of Summer, Up und Der Teufel trägt Prada), quälten mich auf dem nächtlichen Flug nach Chennai die Beine, die Enge, die etwas molligen und in zig Tüchern verschleierten Nachbarinnen und das Nicht-so-recht-Schlafen-können.



Dienstag

Janny holt mich morgens 9.00 Uhr im sonnigen Flughafen „Anna“ in Chennai ab. Das quirlige Treiben, das Verhandeln mit dem Taxifahrer ist alles halb an mir vorbei gegangen. Bei mir ist es eigentlich 3.00 Uhr in der Nacht und ich krieg alles wie im Halbschlaf mit. Und an die eigentlich verträgliche Wärme mit 27°C muss ich mich ja auch erstmal gewöhnen, es sind schließlich 37° mehr als bei uns zu Hause.

 

Auf dem Weg vom Flughafen zur Wohnung geht mir eher der Satz „Holt mich hier raus!“ durch den Kopf als irgendein Urlaubsgefühl. Müll, Nicht-Architektur und ein asiatisches unverständliches Durcheinander. Dass die Autos wie in England auf der „falschen“ Seite fahren, ist noch das angenehmste. Eine StVO kann ich nicht erkennen. Es soll wohl auch kein historisches Zentrum geben in Chennai, bis zum Ozean ist es noch weit. Seit ich Chennai kenne, werde ich das Wort "Verkehrschaos" nie wieder für Verkehr in Leipzig benutzen.

 

Die Wohnung ist spartanisch. Am meisten vermisse ich eine Dusche. So müde, wie ich bin, schlaf ich dennoch auf dem brettharten Bett ein. Dann treff ich mich mit Mr. Kumar, Navneeth und einem dritten Inder und wir fahren einkaufen – einen Schraubstock und Bretter für den Werkenunterricht. Entlang der Hauptstraße, die wie eine Pulsader das Stadtgeschehen bestimmt, gibt es alles. Man muss es nur finden oder die kleinen Läden erstmal erkennen. Der Werkzeugladen erinnert ein klein wenig an unseren in Markkleeberg bei Herrn Ochs, im Holzhandel stehen die Arbeiter bauchhoch in Hobelspänen und schneiden und hobeln Bretter – meist aus Teak. Daneben gibt es Tonschindeln für Dächer, an denen der deutsche Denkmalschutz seine Freude hätte.
Abends bummel ich mit Janny durch ihr Viertel, an einem Tempel vorbei, einem Wohnblock für besser Verdienende, Sümpfen zum Restaurant, in dem wir es uns gut gehen lassen. Bier und völlig akzeptables Essen, für meine Begriffe gar nicht so scharf, klimatisierter Gastraum und sogar Frontcooking mit Tandoori-Ofen. Da mir Janny noch mal vor Augen hält, wie die Tiere hier gehalten werden, essen wir vegetarisch. Schmeckt aber auch! 

Mittwoch

Ich hab recht gut auf dem Brettbett geschlafen und dank Moskitonetz bemerke ich nichts von den Mücken. Außerdem hoffe ich, dass die Mücken von den in der Wohnung lebenden kleinen süßen Geckos gefangen werden!

Ich hab mich tatsächlich vorm Zubettgehen mit der indischen Dusche geduscht – also mit ´nem Tippen, wie die Sachsen sagen würden. Die Temperatur in der Nacht ist durchaus auszuhalten, ich schätze so 25 Grad.

Als ich aufgewacht bin, war Janny schon joggen. Nach einem Kaffee werd ich langsam wach.

Der Weg zur Schule ist fast der selbe wie zum Flughafen.  Ein flacher See, so groß wie der Hainer See, wird nach und nach mit Müll zugefüllt. Vielleicht entwickeln sich in dem See zu viele Mücken und man will es mit der für uns völlig  unakzebtablen Methode  verhindern?

Die Eindrücke sind so zahlreich, dass ich das meiste sicher vergesse. Da sind die Kühe und Büffel, die an den Straßen stehen, selten angebunden, und im Müll nach Futter suchen. Das Erdgeschoss eines jeden Hauses wird als Laden für irgendetwas benutzt. Lebensmittel, Süßigkeiten, Tonziegel, Holz, Elektroartikel, in einem Viertel frisch gegerbte Leder (das ganze Viertel riecht nach Leder), Farben, Klamotten, Schuhe, Werkzeug, Luftpumpen, Obst, Gemüse, Blumenkränze, Mopeds, Taxis, Zeitungen – alles in kleinen, schiefen 3 Meter breiten Häuschen. Was zwischen den grauen oder mit Werbung verunstalteten Häusern, dem Straßendreck und den vielen Fahrzeugen aber stets auffällt sind die immer gut gekleideten Inder. Besonders die Frauen in ihren sauberen, bunten, langen Saris heben sich von ihrer Umgebung ab. So stellte ich mir in den Märchen früher immer die Prinzessinnen in Tausend und einer Nacht vor.

 

In der Schule, einem großen Campus mit hunderten Kindern in einer rötlich-rosa Schuluniform, bekomme ich ein Klassenzimmer zugewiesen, das wir als Bastelraum nutzen dürfen. Kurz darauf stehen meine 9 Kinder, Alter ca. 9-10 Jahre, im Raum und werfen sich ohne jede Scheu an Bohrer, Säge und Schraubendreher. Wir basteln erstmal einen Kasten für unser Werkzeug, dann jedem eine kleine Tafel mit seinem Namen. Die Arbeit ist eigentlich ziemlich schwierig. Zum einen hab ich nur mit der Hand zu bedienendes Werkzeug mit, zu Hause könnte ich mit Kreissäge, Akkuschrauber usw. viel genauer arbeiten. Zum anderen gibt es in Indien kein leichtes Kiefer- oder Fichtenholz, nur Teak und härter (=schlimmer). Während das Werkzeug hier sehr billig ist, ist das Holz beinah teurer als bei uns zu Hause.

Die Arbeit mit den Kindern macht schon sehr viel Spaß! Jeder will mal dran kommen mit sägen, feilen, bohren. Die meisten arbeiten sehr selbständig und ich brauch gar nicht allzu viel vormachen. In der Pause essen alle still und gemeinsam ihr Mittagessen aus den für Indien typischen verschließbaren Blechdosen. Die Mädchen zeigen nach Schulschluss eine einstudierte Tanzübung und wir spielen noch eine Runde Ball im Hof.

 

Von den anderen Lehrerinnen bekomme ich zwei Becher Porridge, anders als in England eine Art Getreidemilch mit Zucker, die den oft etwas unterernährten Kindern als Verpflegung gegeben wird. Ich bin danach so satt, dass ich den Rest des Tages nichts mehr essen kann. Und dabei wird an jeder Ecke gekocht. Fisch, Gemüse, Bohnen, Hühnchen, Teigtaschen und hunderte undefinierbare aber gut aussehende andere Gerichte. Von der Straße soll man aber nichts essen, empfiehlt unsere NGO-Chefin. „Not from the road!“

 

Abends schauen wir am Strand vorbei. Am Vorabend des Pongal, einem Feiertag, dessen Anlass ich noch immer nicht herausfinden konnte, treffen sich hier Tausende Menschen, um einem Musikfestival zuzuhören und das Meer anzuschauen. Bettelnde Kinder – ein Vierjähriger hat „zur Verstärkung“ einen höchstens 4 Monate alten Säugling mit einem Tuch an sich gebunden, Zuckerwatteverkäufer, Pferde, Wahrsager und Kitschverkäufer  säumen den Strand. In einem Coffeeshop bestellen wir echt italienischen Cappuccino und sündhaft süße Cookies. Bei einer französischen „Boulangerie“ gibt es Quiches, Croissants, Banana CAke und wir nehmen Frühstücksbaguettes für morgen früh mit.

 

Einkaufen ist zumindest in den indischen Großstädten einfach. Die Preise sind für alles günstig, was aus Indien ist. Für alle Importe sind die Preise wie bei uns, fast teurer. Heimaterinnerungen wie Nutella oder Parmesankäse kosten dann halt ca. 3-4 Euro. Wie so oft auf der Welt sind Grundnahrungsmittel und Busfahren billig. Der Diesel kostet aber auch hier ca. 70 cent/Liter, was ich billiger erwartet hatte.

 

Am Strand selbst passiert trotz der Zigtausend Menschen recht wenig. Wo bei uns Strandkörbe angeboten würden, Schifffahrten, Bootsverleih, Tretautos, Strandmuscheln, Tauchtrips, Surfen oder Segeln, da begnügen sich die Inder mit dem Blick auf das Meer und Eis, Zuckerwatte oder einen Imbiss.

Donnerstag

Heute ist Pongal! Feiertag! Wir besuchen die blütenweiße, wunderschöne Kathedrale St. Thomas in der Nähe des Ozeans. Das katholische Gotteshaus wurde einst von portugiesischen Seefahrern hier an der Küste errichtet, die Engländer renovierten sie später noch einmal. Bei dem warmen Wetter macht es einem nichts aus,  dass man an jedem relegiösen Ort die Schuhe ausziehen muss.

 

Zum Feiertag wollen wir noch mal zum Elliots Beach – dem beliebtesten Strand Chennais. Die Massen tummeln sich auch heute hier, die Souvenir- und Fresstände bilden eine Marktgasse von der Hauptstraße bis zum Strand. In der Umgebung steht die Universität Madras (der fühere Name für Chennai) mit einer wunderbaren byzantinischen Architektur. 

Die Fußgängerunterführung unter der Hauptstraße wird von cleveren Händlern als hitze- und regengeschützte Markthalle verwendet und von den Lautsprechern des Strandfunks (den es auch mal am Kulkwitzer See gegeben hat) tönt eine extrem laute und nicht enden wollende Flut tamilischer Wörter über den gesamten Strand. Ob es sich um Wahlkampf, Werbung, Erziehung (Müll nicht am Strand liegen lassen!) oder etwas anderes handelt, können wir nicht herausfinden.

Wir schauen durch einen Zaun einem Cricketspiel zu. Das typisch indische Spiel aus der englischen Kolonialzeit kann sich aufgrund seiner Regeln über Tage, sogar Wochen hinziehen.  Auch die Kinder am Strand spielen mit einfachen Brettern als Schläger allenortens Cricket. 

 

Im Park am Elliots Beach besuchen Hunderte Inder die Denkmäler zu Ehren irgendwelcher Politiker, Bürgermeister oder gewonnener Kriege. Bemerkenswert ist ein Denkmal, dass Politiker und Schauspieler gleichermaßen ehrt. Passt ja gut, oder?!

Mehr Leute stehen am Stand von Pappfiguren bekannter Bollywoodhelden, mit denen man sich gegen ein paar Rupien fotografieren lassen kann.

Im Freibad mit sauberem, gechlortem Wasser gehen wesentlich mehr Leute schwimmen als im Ozean. Auch hier dürfen Frauen aber nicht hinein.

 

Auf der Fahrt mit dem Moped erlebe ich meinen ersten kleineren Unfall. Bei der Art der Verkehrsflächenausnutzung musste das ja mal passieren. Wir touchieren einen Fußgänger, der trotz der typischen 16fach-Ausnutzung der vierspurigen Straße mit Mopeds, Fahrrädern, Autos, LKWs und Bussen (alle nebeneinander!) während des Überquerens noch mit dem Handy telefoniert.  Wir fliegen aber nicht auf die Nase, Janny balanciert das Moped aus, wir kommen mit Blessuren an Knie und Hüfte davon. Black Beauty, dem Moped, ist nichts Augenscheinliches passiert. Der Passant, dem Janny erbost hinterher rannte, hat sich seine Hand wehgetan. Zumindest sah es so aus.

 

Wir fahren zu einem kleinen Park, in dem zig Händler ihre Kunstgewerbewaren anbieten. Das Konzept ähnelt sehr dem Weihnachtsmarkt in Proschwitz. Man zahlt einen Eintritt und darf dann herumschnarchen zwischen den Tüchern, Bildern, Grafiken, Holzskulpturen mit Kamasutraszenen und hinduistischen Göttern, Handtaschen aus Sisal, Teppichen, Lampen, Kissen und Kleidern. Hier trinken wir unsere erste Kokosnuss aus. Dazu hackt der Händler ein Loch in die grüne Nuss und steckt ein Trinkhalm hinein. Wenn sie leer ist, lässt man sie ganz aufhacken und darf das glibbrige Weiße noch auslöffeln. Ist aber nicht jedermanns Geschmack.

Freitag

Die Schule hat Ferien und wir somit auch. Nach einem Tag Arbeit mit den Kindern hab ich ein langes Pongal-Wochenende abgepasst – hoffentlich kriegt das keiner in Deutschland mit!

Wir fahren mit dem Moped durch belebte Straßen (ich werde nie wieder das Wort „belebt“ für deutsche Einkaufsstraßen benutzen!) zum hinduistischen Tempel Kapalishvara. Die schrillbunten zahlreichen Figuren auf den Tempelpyramiden sind überwältigend. Wir werden Zeugen einer rituellen Waschung (3 x Tauchen) hinduistischer Priester, die der Sonne zu Ehren diese Zeremonie durchführen. Erst viel später bekommen wir mit, dass wir heute eine Sonnenfinsternis haben. Etwas dunkler, trüber, war es schon heute Mittag, aber die Sonnenfinsternis haben wir verpasst. Zu jedem hinduistischen Tempel gehört immer ein riesiges Wasserbecken für die Waschungen. An der Treppe ins Wasser hinein tummeln sich viele kleine Welse und ich muss an Herrn Körtges Pangasiusfilets denken.

 

Vor dem Kapalishvara-Tempel statten wir einem anderen hinduistischen Tempel einen Besuch ab, der gerade auf dem Weg lag. Ebenfalls sehr strandnah liegt er in einem sehr schönen Garten mit vielen Palmen, Oleandern und anderen Stauden eingebettet.

 

Nach den Sehenswürdigkeiten kommt der Kommerz. Wir bummeln durch den Spencer Plaza, einem Einkaufszentrum mit zwei größeren Innenhöfen. T-Shirts und Cappucino, ein kleiner Elefant aus Messing, das sind unsere Jagdtrophäen. Besonders lecker sind jedoch die kleinen Conditorei-Häppchen. Süßes mögen die Inder!

 

Ich will Fischerboote fotografieren. Janny erfüllt mir auch diesen Wunsch. Nördlich des Elliots Beach sind die Fischer zu Hause. Um die ärmlichen Wohnhäuser tummeln sich Tausende Fischerfamilien. Baden will hier niemand – am Strand erledigt jeder Mann sein Geschäft und gräbt sich dafür eine kleine Mulde in den Sand. Die Flut holt es dann in Kürze ins Meer. Die Fischernetze, die zum Trocknen ausgebreiteten kleinen, übrigen Fische und die bunten Boote sehen dennoch sehr exotisch aus.

 

An einem schöneren Strandabschnitt geh ich das erste Mal ins Meer baden. Die ein bis zwei Meter hohen Wellen brechen kurz vorm Strand und es macht richtig viel Spaß, in den Wellen zu toben. Komisch, dass das so selten die Inder machen. Bei uns wäre der Cospudener See brechend voll (im Wasser, nicht an Land!), wenn er ebensolche 27 Grad hätte und 6 Millionen Menschen in Leipzig wohnen würden. Inder begnügen sich, wie schon gesagt, mit dem Blick auf´s Meer, sind oftmals keine guten Schwimmer. Und es gibt ja auch Haie im Golf von Bengalen.

 

Abends sitzen wir wieder am Elliots Beach beim Strandfestival. Trommeln, indische Folklore, eine typische Travestieshow und Elektrogitarren hallen durch die Nacht.

Sonnabend

Wir stehen seit 45 Minuten an der Bushhaltestelle und warten auf die 568 nach Mamallapuram. Der Ort ist ein beliebtes indisches Ausflugsziel und sogar ein Touristenort. Aber der Bus kommt nicht. Es kommen hunderte Busse, aber keine 568. Irgendwann fragen wir eines der Autotaxis (dreirädrige Mopedrikschas) nach dem Preis bis Mamallapuram. Für nur 300 Rupien, ca. 5 Euro, bringt uns das straff gefederte Moped nach Süden. Ich stoß immer mal an die Dachstreben der Rikscha, aber es macht Spaß, so durch Indien zu düsen. Wir beobachten während der Fahrt riesige, strahend weiße Universitätsgebäude mitten in der Pampas, Wolkenkratzer mit Wohnungen im Rohbau, belebte kleine Straßen, Tempel, Kühe auf dem Mittelstreifen und Reisfelder. Nach zwei Stunden haben wir die 40 Kilometer geschafft. Aber vor Mamallapuram ging´s nicht weiter. Und dann sahen wir auch den Grund, warum der Bus nicht kam. Zigtzausende Menschen besuchen offenbar jedes Jahr am Pongal-Wochenende die Felsen und Tempel des malerischen Städtchens. Verkehrstechnisch geht fast nichts mehr. Ein Tross aus bunten Menschen kraxelt auf den rund geschliffenen Felsen Mamallapurams herum und genießt den Blick auf´s Meer und die Palmenhaine zu ihren Füßen. Der Ort erinnert mich an eine Mischung aus dem Elbsandsteingebirge und an Tulum im Golf von Mexico. Die Felsen sehen aus wie auf den Kalenderblättern von den Seychellen. In die Felsen wurden kleine Tempel, Bilder mit Krishna und andere Motive gemeißelt. Und meißeln können die Mamallapurammer. Überall gibt es Steinskulpturen zu kaufen. Wir kaufen ein Eis, das in der Hitze in Sekundenschnelle gegessen werden sollte. 

Und dann sind wir auf dem Pilgerweg zum Shore Tempel. Gefühlte Hundertausende Inder mit lauten Tröten pilgern im langsamen Schritttempo zu einem eigentlich im Wasser des Bengalischen Golfs stehenden Tempels aus Stein. Damit er nicht von den Wellen verschlungen wird, hat er im Laufe der Zeit aber eine Mole ringsum erhalten. Wir entscheiden uns, nur außen herum zu gehen und die gesparten 250 Rupien (für Inder 10 Rupien) Eintritt in ein Bierchen am Strand zu investieren und der Menschenmenge zu entgehen. 

 

Wieder darf ich mich in die Wellen werfen. Herrlich! Und im beinah malerischen Örtchen mit seinen bunten Häusern und Einkaufsläden erstehen wir Tücher und Sandalen. Wir gönnen uns einen gebratenen Fisch in einem Roof Top, also einem Dach-Restaurant mit Meer- und Tempelblick.

Am Strand liegt ein großes neues Fischerboot, das auch mit deutschen Spenden nach dem Tsunami 2004 finanziert wurde.

 

Ein richtiges Auto-Taxi, also eins mit 4 Rädern, bringt uns für 700 Rupien wieder zurück nach Chennai.

Sonntag

Heute machen wir mal nichts Besonderes. Wir lesen, chatten, skypen, mailen und schlendern durch die Hitze lediglich zum Eis- und Joghurtladen.