Schillerfest ein geistreicher Erfolg (14.06.09)

Hainer See - Schillerfest in Kahnsdorf
Hainer See - Schillerfest in Kahnsdorf
Hainer See - Schillerfest in Kahnsdorf
Hainer See - Schillerfest in Kahnsdorf
Hainer See - Schillerfest in Kahnsdorf

Bilder der Schillerfeste finden Sie HIER

Die Schillerfestspiele 2009 fanden vom 12.-14. Juni 2009 bei schönstem Wetter und entspannter Stimmung statt. Die Besucher konnten nicht nur interessanten Lesungen, Vorträgen und Konzerten lauschen, sondern auch Schiff fahren, das teilweise sanierte Schillerhaus mit dem Restaurator Wiesner besichtigen und  sich über die Bauplanungen von Blauwasser am Seeufer mit den Seegrundstücken für private Ferienhäuser informieren.

Höhepunkte waren die Lesung mit Erich Loest, das Konzert des Leipziger Salonorchesters und das Feuerwerk von Tommy und Felix Münch von Fire&Magic.

Viel Aufsehen erregte das temporäre Museum von "Zylinder-Kopf-Dichtung" zum Thema Schiller im Keller des Schlosses.

Hoch gelobt wurden auch wieder die Schiller-Mädchen (sowie Daniel und Vincent), die die zahlreichen Gäste des Festes mit Steaks & Würstchen, Geiseltaler Wein, Kaffee und Kuchen verwöhnten.

Schillerfest in Kahnsdorf

Schillerfest Kahnsdorf - Hainer See bei Leipzig
Schillerfest Kahnsdorf - Hainer See bei Leipzig
Schillerfest Kahnsdorf - Hainer See bei Leipzig
Schillerfest Kahnsdorf - Hainer See bei Leipzig

2009 feiern wir Schillers 250. Geburtstag. Das Schillerdorf Kahnsdorf, in dem Schiller seinen großen Freund und Mäzen Christian Gottfried Körner kennenlernte, feiert natürlich mit. Zu den Veranstaltungen vom 12. bis 14. Juni 2009 am Herrenhaus Kahnsdorf, dessen Park direkt an den Hainer See grenzt, sind Sie herzlich eingeladen. Wir werden wieder mit unseren Schlossdamen Sarah Günther, Valeska Költzsch und Bianca Mai in ihren historischen Kostümen und mit barockem Feuerwerk, erlesenen Weinen und Schifffahrten auf dem Hainer See am Schillerfest beteiligen. Auch an die lieben Kleinen wird gedacht.

Hier finden Sie zu gegebener Zeit nicht nur die Veranstaltungsankündigungen für das Schillerfest, sondern auch eine monatlich erscheinende Serie zu bekannten Menschen im Umfeld Friedrich Schillers und unserer Region.

Wir danken Herrn Dr. Hans Ketzer vom Volkskundemuseum Wyhra (museumwyhra@t-online.de) herzlichst für seine "Schiller-Serie" zum Kahnsdorfer Schillerfest.

 

Bedeutende Köpfe

von Dr. Hans Ketzer:

Als Abfolge historischer Daten ruft die Geschichte bei uns oft nur ein herzhaftes Gähnen hervor. Fällt unser Blick aber auf das Leben einzelner Menschen gewinnt sie an Farbe und Kontur. Biografien sind en vogue. Die Erforschung der eigenen Vorfahren ist längst zu einem verbreiteten Hobby geworden. Von einem Ort, über den man weiß, dass sich hier das Schicksal einer bedeutenden Persönlichkeit entschied, geht eine faszinierende Wirkung aus. Man muss nur erfahren haben, welches einschneidende Erlebnis diesem oder jenem gerade hier zuteil wurde.

Was bedeutenden Köpfen im Leipziger Land widerfuhr, steht 2009 im Mittelpunkt eines kulturraumgeförderten Projektes des Heimatvereins des Bornaer Landes e.V. Dessen Höhepunkt wird das 3. Schillerfestspiel „Begegnungen“ sein, das vom 12. bis 14. Juni 2009 im Rittergut Kahnsdorf stattfindet. Besonderer Anlass dieses Kultur- und Geschichtsfestes ist
- der 250. Geburtstag Friedrich Schillers und
- der 200. Geburtstag Felix Mendelssohn-Bartholdys.

Im Vorfeld dieses Festivals stellen wir Ihnen bedeutende Köpfe vor, die aus dem Leipziger Land stammen, hier Bemerkenswertes leisteten oder denen hier Entscheidendes widerfuhr. Hier zunächst einige Namen, die für die Vielfalt der Persönlichkeiten stehen, auf die das zutrifft:

Bedeutende Köpfe im Leipziger Land (14.11.2008)

Heinrich Friedrich Innocentius Apel (1731-1802), geb. in Borna, Leipziger Ratsherr und Bürgermeister, Besitzer von „Apels Garten“, einem gesellschaftlichen Mittelpunkt der Leipziger Gesellschaft

 

Guido Theodor Apel (1811-1867), Nachkomme des zuvor genannten, Schrifststeller und Historiker, ließ um 1863 die nach ihm benannten Apelsteine zur Erinnerung an die Völkerschlacht aufstellen, u.a. auf dem südlichen Schlachtfeld

 

Friedrich Ferdinand von Beust (1809-1886), führender sächsischer Politiker nach 1849, Staatsminister des Königreichs Sachsen, ab 1866 Kanzler des Kaiserreiches Österreich-Ungarn, Architekt der K-und-K-Monarchie, aufgewachsen in Zöpen (heute Teil Kahnsdorfs)

 

Julius Blüthner (1824-1910), Gründer der berühmten Leipziger Pianofabrik, geb. in Falkenhain bei Lucka

 

Katharina von Bora (1499-1552), Ehefrau Martin Luthers, geb. in Lippendorf, geflohen aus dem Kloster Nimbschen bei Grimma, Besitzerin des Vorwerks Zölsdorf in der Nähe des heutigen Neukieritzsch

 

Caroline Michaelis-Böhmer-Schlegel-Schelling (1763-1809), weibliche Zentralgestalt der Frühromantik, bedeutender Briefwechsel, u.a. verehelicht mit dem Dichter August Wilhelm von Schlegel und dem Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, brachte in Lucka einen unehelichen Sohn zur Welt

 

Johann August Ernesti (1707-1781), bedeutender Theologe, Rektor der Universität Leipzig und als Rektor der Thomasschule Bachs Vorgesetzter, Übersetzer aus derm Lateinischen und Griechischen, Besitzer des Rittergutes Kahnsdorf

 

Conrad Felixmüller (1897-1977), Maler und Grafiker, lebte von 1944 bis 1961 in Tautenhain bei Geithain, dort Bemalung der Emporen in der Dorfkirche

 

Konrad Fiedler (1841-1895), Begründer der modernen Kunstphilosophie und Mäzen, Mitbesitzer des Ritterguts Crostewitz, wohin er die von ihm geförderten Künstler einlud

 

Georg Joachim Göschen (1752-1828), gründete einen der bedeutendsten Verlage der Goethe-Zeit mit Sitz in Grimma, beim denkwürdigen Treffen Schillers mit Christian Gottfried Körner in Kahnsdorf 1785 zugegen

 

Zacharias Hildebrandt (1688-1757), barocker Orgelbaumeister, Schüler Silbermanns, Schöpfer der Störmthaler Orgel und der 1813 zerstörten Orgel von Libertwolkwitz

 

Kunz von Kauffungen (um 1410-1455), Initiator und Akteur des Altenburger Prinzenraubes von 1455

 

Christian Gottfried Körner (1756-1831), sächsischer, nachmals preußischer Beamter und Reformer des Bildungswesens, Gelehrter und Mäzen, v.a. Schillers, mit dem er seit dem Zusammentreffen 1785 in Kahnsdorf auch befreundet war

 

Theodor Körner (1791-1813), Sohn des zuvor genannten, Freiheitsdichter, 1813 nach Verwundung bei Kitzen und Aufnahme in Großzschocher u.a. in Kahnsdorf gesund gepflegt und über Gnandstein nach Böhmen geflohen
Urban Kreutzbach (1796-1868), einer der bedeutendsten Orgelbaumeister des 19. Jahrhunderts, Werkstatt in Borna

 

Wilhelm Külz (1875-1948), geb. in Borna, liberaler Politiker und Parteiengründer

 

Magnus Lichtwer (1719-1783), geb. in Wurzen, Dichter der Aufklärung

 

Bernhard August von Lindenau (1779-1854), geb. und gest. in Altenburg, Reformator des sächsischen Staates, Schöpfer der sächsischen Verfassung, bedeutender Kunstmäzen (Lindenaumuseum Altenburg

 

Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), Gewandhauskapellmeister und Komponist, oft Gast auf verschiedenen Rittergütern des Leipziger Landes, z.B. in Kahnsdorf und Rüdigsdorf

 

Börries von Münchhausen (1874-1945), letzter großer deutscher Balladendichter, lebte auf Schloss Windischleuba bei Altenburg

 

Friedrich Naumann (1860-1919), geb. in Störmthal, liberaler Politiker und Sozialreformer, Namenspatron der FDP-nahen Stiftung für Wissenschaft und politische Bildung

 

Melchior von Osse (1506/07-1557), geb. in Ossa bei Geithain, Begründer der Kameralistik, sächsischer, nachmals hennebergischer Kanzler

 

Gottlieb Wilhelm Rabener (1714-1771), geb. in Wachau, Dichter der Goethe-Zeit

 

Louis Ferdinand von Rayski (1806-1890), geb. in Pegau, Maler und Grafiker

 

Joachim Ringelnatz, eigentl. Hans Bötticher (1883-1934) geb. in Wurzen, Dichter und Humorist

 

David Schatz (1667-1730), bedeutender barocker Baumeister, Architekt und Kunstgärtner, schuf u.a. die später nach Luther benannte Kirche in Gautzsch (Markkleeberg-West)

 

Moritz von Schwind (1804-1871), Maler und Grafiker, Schöpfer der Fresken im „Schwindpavilon“ Rüdigsdorf bei Kohren-Sahlis

 

Gerhard von Scharnhorst (1756-1813), preußischer Militärreformer und Feldherr, in der Schlacht bei Großgörschen 1813 so schwer verwundet, dass er nachmals starb, in Borna letzte Nacht als gesunder Mensch verbracht

 

Friedrich Schiller (1759-1805), kam 1785 als mittelloser, beruflich wie persönlich gescheiterter Mensch nach Leipzig, dank der Freundschaft zu Christian Gottfried Körner (Vater Theodor Körners), der ihn finanziell unterstützte, wendete sich sein Schicksal, Körner und Schiller trafen erstmals in Kahnsdorf zusammen, ein Ereignis, das den ersten Anstoß zur Dichtung an die Ode „Am die Freunde“ bildete

 

Johann Gottfried Seume (1763-1810), Schriftsteller, aufgewachsen in Knautkleeberg, Schule in Borna, berufliche Tätigkeit als Lektor am Göschen-Verlag in Grimma

 

Gottfried Silbermann (1683-1753), bedeutendster Orgelbaumeister des Barock, schuf u.a. die Orgeln in der Marienkirche und in der Georgenkirche Rötha sowie die Orgel in Bad Lausick

 

Georg Spalatin (1482-1545), gest. in Altenburg, bedeutender Reformator an der Seite Luthers, erster Altenburger Superintendent, durch ihn erste evangelische Visitation der Kirchengeschichte 1526 in Borna

 

Clemens Thieme (1861-1945), geb. in Borna, Architekt, geistiger und organisatorischer Vater des Leipziger Völkerschlachtsdenkmals

 

Wiprecht von Groitzsch (um 1050-1124), Markgraf von Meißen und der Lausitz, bedeutender Reichsfürst im später Sachsen genannten Territorium, Burg in Groitzsch, Tod und Beisetzung im von ihm gegr. Kloster Pegau, dort auch vollplastisches Grabdenkmal

 

„Meister H.W.“ (Ende 15. und Anf. 16. Jh.), einer der bedeutendsten spätgotischen Bildhauer, v.a. in Sachsen tätig, Schöpfer des Bornaer Marienaltars, namentlich nicht bekannt, früher fälschlich mit einem Hans Witten identifiziert

Kahnsdorf und die Körners

Theodor Körner kennt fast jeder, der einmal in die deutsche Literaturgeschichte „reingerochen“ hat. „Das ist doch der mit Leier und Schwert, der dichtende Lützower Jäger“, wissen zumindest einige. Wer aber war Christian Gottfried Körner? Die naheliegendste Antwort lautet: Er ist Theodors Vater. Bei Lichte betrachtet lohnt es sich freilich, seine Lebensleistung eigenständig zu würdigen. Der Sohn eines Leipziger Superintendenten und Theologieprofessors stieg bereits mit 27 Jahren in ein bedeutendes Regierungsamt auf. Ihm unterstand die Organisation des gesamten sächsischen Schulwesens. Nach dem Tod seiner Eltern erbte er ein beträchtliches Vermögen. Hochbegabt – unter anderem dichtete und komponierte er – war er geistiger Mittelpunkt einer Gruppe junger Intellektueller, die Friedrich Schiller 1784 nach Sachsen einluden. Als dieser ein Jahr später nach Leipzig kam, entwickelte sich eine Freundschaft zwischen Körner und ihm. Sie war auch eine geistige Partnerschaft. Viele der philosophischen und literaturtheoretischen Gedanken, die heute Schiller zugeschrieben werden, stammen eigentlich von Körner. Zum engeren Bekanntenkreis der Familie Körner gehörte auch der Leipziger Professor Johann Christian Gottlieb Ernesti, dem das Rittergut Kahnsdorf gehörte. Dort war man oft zu Gast. Hier trafen sich auch Schiller und Körner zum ersten Mal. Als Theodor Körner 1813 bei Kitzen südwestlich Leipzigs schwer verwundet wurde, gelangte er über Großzschocher und Leipzig zunächst ebenfalls aufs Kahnsdorfer Rittergut. Dort war der Lützower Jäger, der sich in Feindesland befand, in Sicherheit und konnte gesundheitlich so weit hergestellt werden, dass er die Flucht nach Böhmen fortsetzen konnte. Beide Körners – Vater wie Sohn - waren erbitterte Gegner Napoleons. Einmal in Konflikt mit seinem König geraten, nahm Christian Gottfried Körner 1815 seinen Abschied aus dem sächsischen Staatsdienst. Noch im gleichen Jahr wurde er preußischer Staatsrat im Ministerium des Inneren. Als solcher setzte er die Reform des preußischen Volksschulwesens ins Werk. Allen, die Näheres über das Kahnsdorfer Treffen Schillers mit Körner erfahren möchten und nicht bis zum Juni warten wollen, sei eine Veranstaltung im Schillerhaus Leipzig-Gohlis empfohlen. Am 14. Mai, um 19 Uhr, findet sie unter dem Motto „Zu Gast bei Schiller“ statt. Dr. Hans-Jürgen Ketzer spricht zum Thema: „Bester Freund – der gestrige Tag, der zweite des Julius, wird mir unvergesslich bleiben …“ – Körners Geburtstagsfeier in Kahnsdorf – der Beginn einer Lebensfreundschaft.

Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora

Luther im Neuseenland - Hainer See Neukieritzsch-Kahnsdorf bei Leipzig
Luther im Neuseenland - Hainer See Neukieritzsch-Kahnsdorf bei Leipzig

Das Denkmal
1817 strömten auf freiem Feld zwischen Breunsdorf und Kieritzsch zirka 20.000 Menschen zusammen. Sie kamen, um ein Denkmal für das Wirken Martin Luthers im Bornaer Land einzuweihen. 20.000 Menschen – das war damals nahezu die gesamte Bevölkerung der Gegend! Dies geschah an einem Ort, wo einst das Vorwerk Zölsdorf stand. Das hatte Katharina von Bora, der Frau Luthers, gehört und war von ihr bewirtschaftet worden. Heute liegt dieser Ort auf dem Gelände des Tagebaues Vereinigtes Schleenhain. Das Nachfolgedenkmal für Zölsdorf steht heute auf dem Markt in Neukieritzsch.

 

Im Mutterland der Reformation.
Katharina und Martin Luther sind auf vielfältige Weise mit dem Leipziger Land verbunden. Als Katharina von Bora 1499 das Licht der Welt erblickte, geschah dies in Lippendorf unweit des heutigen Kraftwerks. Von ihrer Familie zur Nonne bestimmt, floh sie 1523 aus dem Kloster Marienthron in Nimbschen bei Grimma. Luther, dessen Reformation entscheidend zu diesem folgenschweren Schrittgeführt hatte, weilte oft in Borna und Grimma. In diesen zum Kurfürstentum Sachsen gehörenden Städten fielen seine Gedanken bereits früh auf fruchtbaren Boden. In Borna wurde schon 1519 evangelisch gepredigt. Besondere Bedeutung besaß Luthers Aufenthalt in Borna am 4. März 1522. Hier machte er Station auf seiner Reise von der Wartburg nach Wittenberg und schrieb einen Brief an den Kurfürsten Friedrich den Weisen, in dem er sein Handeln rechtfertigte. Der Kurfürst hatte ihn, über den nach seinem Auftritt 1521 in Worms die Reichsacht verhängt worden war, auf der Wartburg versteckt. Luther verließ die Burg eigenmächtig, als er davon hörte, dass in Wittenberg Bilderstürmereien stattgefunden hatten. Der in Borna verfasste Brief stellt ein wichtiges Zeugnis der Beziehung Luthers zu seiner weltlichen Obrigkeit dar. Überliefert sind darüber hinaus zahlreiche weitere Aufenthalte in Borna und drei Predigten, die Luther in der dortigen Stadtkirche hielt. 1540 kaufte Luther Zölsdorf. Seine Frau Katharina hielt sich dort mehrfach über Monate hinweg auf und brachte die Wirtschaft des Gutes in Schwung. Nach ihr wurde das 1998 geweihte neuerbaute Gotteshaus von Neukieritzsch Katharina-von-Bora-Kirche genannt. Auch in der Kirche des Dorfes Kieritzsch finden sich Spuren der Familie Luther. In ihrem Inneren sind zwei barocke Medaillons angebracht, eines Martin, das andere Katharina Luther darstellend.
(Fotos: H. Ketzer).

Clemens Thieme und Theodor Apel

Clemens Thieme und Theodor Apel: Die Väter der Denkmale

Es war das bis dahin umfangreichste Schlachtgeschehen: Vom 16. bis 19. Oktober 1813 tobte rund um Leipzig die Völkerschlacht. Schon Wochen zuvor war die Gegend, in der sich heute die neuen Leipziger Seen erstrecken, Aufmarschgebiet der Armee Napoleons und der gegen ihn Verbündeten. Neben den szenischen Schlachtdarstellungen, die jedes Jahr in Markkleeberg stattfinden, erinnern vor allem Denkmale an dieses weltgeschichtlich bedeutsame Ereignis. Das bedeutendste von ihnen ist gleichzeitig Leipzigs Wahrzeichen.

 

Das Völkerschlachtsdenkmal
… ist das einzige Bauwerk der Stadt, das international wahrgenommen wird, vergleichbar mit dem Brandenburger Tor in Berlin, dem Triumphbogen in Paris oder der Londoner Tower-Bridge. Der geistige Vater des Denkmals kam 1861 in Borna zur Welt. Der Sohn eines Schuhmachers brachte es durch seinen Fleiß vom Maurer bis zum Architekten. 1894 gründete der aktive Freimaurer den „Deutschen Patriotenbund zur Errichtung eines Völkerschlachtdenkmals“. Unermüdlich bemühte er sich um Wege zur Finanzierung dieses Vorhabens. Auch auf die Gestaltung des von freimaurerischer Symbolik geprägten Entwurfes nahm er großen Einfluss. Ihm ging es darum, der Trauer und dem Gedenken an einen Sieg zum Ausdruck zu verhelfen, in dessen Folge keines der Völker brüskiert wird. Abweichend von der Intention Thiemes wurde das Denkmal im 20. Jahrhundert von den unterschiedlichen Machthabern missbraucht. In Borna erinnert eine Gedenktafel an jenem Haus, in dem Thieme aufwuchs, an den bedeutenden Sohn der Stadt.

 

Die Apelsteine
Rund um die neuen Leipziger Seen finden sich zahlreiche kleine Denkmale, die an die Völkerschlacht erinnern. Sie gehen auf den Leipziger Theodor Apel zurück. Aus einer wohlhabenden Familie stammend, stiftete der nach einem Unfall erblindete Schriftsteller 1863 die ersten Steine. Sie markieren den Ort der Armeeformationen, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt der Schlacht gegenüberstanden. Die Steine mit einem runden Kopf, mit ungeraden Zahlen und dem Buchstaben „N“ stehen für die französischen Truppenteile Napoleons, die mit einer Spitze, mit gerader Zahl und dem Buchstaben „V“ für die Verbündeten.

(Fotos: Heimatverein des Bornaer Landes e.V.)

Wiprecht von Groitzsch

Plastik Wiprecht von Groitzsch
Nur Turmreste sind übrig
Plan der historischen Anlage
Plastik Wiprecht von Groitzsch
Nur Turmreste sind übrig
Plan der historischen Anlage
Plastik Wiprecht von Groitzsch
Nur Turmreste sind übrig
Plan der historischen Anlage

Wiprecht von Groitzsch

 Künftig weist ein Schild an der A 38 auf ihn hin: Wiprecht von Groitzsch. Wer war das? Um 1050 geboren und 1124 verstorben, führte der Markgraf von Meißen und der Lausitz erstmals in der Geschichte jene Territorien unter seiner Herrschaft zusammen, die wir heute Sachsen nennen. Auf seine Initiative ging der Landesausbau zwischen Weißer Elster und Mulde zurück. Er ließ Siedler aus Franken anwerben, die Dörfer gründeten und brach liegende Fluren urbar machten. Als Gefolgsmann des durch seinen Gang nach Canossa bekannten Heinrich IV. werden Wiprecht wahre Heldentaten nachgesagt. So soll die Eroberung Roms durch den Kaiser seinem forschen Vorgehen zu verdanken sein. Das meiste, was wir über Wiprecht wissen, entstammt den „Pegauer Annalen“. Dies sind Aufzeichnungen, die ein Mönch des Pegauer Klosters um die Mitte des 12. Jahrhunderts verfasste. Das Kloster Pegau wurde von Wiprecht gegründet, dessen Stammsitz sich auf einer Burg im benachbarten Groitzsch befand. Nachdem es im Zuge der Reformation aufgelöst und in der Folgezeit abgebrochen wurde, brachte man Wiprechts prachtvolles Grabmal in die Pegauer Stadtkirche St. Laurentius. Bis heute kann es dort bewundert werden und gehört neben der Groitzscher Burg zu den bedeutendsten Zeugnissen des Hochmittelalters im Leipziger Neuseenland. Auf dem Burgberg von Groitzsch wurden im letzten Jahrhundert die zu Wiprechts Zeiten erbauten Mauern eines Turmes und einer Rundkapelle ausgegraben. Dies sind die ältesten Steinbauten Sachsens. Weitere Spuren hinterließ der Groitzscher in Knautnaundorf, wo sich als Teil der dortigen Dorfkirche ebenfalls die Mauern einer einstigen Rundkapelle erhalten haben. Auch die Kirchen von Bad Lausick und Eula künden von Wiprechts Taten. Erstere geht auf die 1104 von ihm gegründete Klosterniederlassung zurück, am Ort der zweiten soll er selbst eine hölzerne Kapelle durch einen ersten Steinbau ersetzt haben.

Ein Tipp für alle, die über Wiprecht von Groitzsch mehr erfahren möchten: Die Volkshochschule Leipzig bietet im März eine Exkursion „Auf Wiprechts Spuren in Pegau und Groitzsch“ an. Termine: Montag, den 23.3.2009, 18.00-19.30 Uhr, Vorbereitungskurs; Sonnabend, den 28.3., ganztägig Exkursion. Um Voranmeldung für den Kurs wird gebeten. Kursleiter ist der Autor dieser Reihe, Dr. Hans-Jürgen Ketzer.

Foto 1: Wiprecht, wie er auf dem Pegauer Grabmal (Kenotaph) dargestellt ist Foto 2: Ergrabene Mauern der Wiprechtsburg in Groitzsch

(Foto 1 und 2 : Heimatverein des Bornaer Landes e.V.)
(Foto Plan der Anlage: Bernd Schumann)

Die großen Orgelbauer: Silbermann und Kreutzbach

Man nennt sie die Königin der Instrumente: die Orgel. Im Umkreis der Leipziger Seenlandschaft finden sich zahlreiche Werke bedeutender Orgelbauer. Der berühmteste von diesen ist Gottfried Silbermann (1683-1753). Er schuf u.a. die Orgeln in der Marienkirche und in der Georgenkirche Rötha sowie die Orgel in Bad Lausick.

1721 stellte Silbermann die Orgel in der Röthaer Stadtkirche St. Georgen fertig. Thomaskantor Johann Kuhnau nahm sie am 8. November ab. Eine Tag später wurde sie mit einer von diesem geleiteten Festmusik geweiht. 1722 hielt sich Silbermann mit seinen Handwerkern ein halbes Jahr über in Rötha auf. Während dieser Zeit arbeitete er an der Orgel der zweiten Röthaer Kirche St. Marien. Deren Klangwirkung, die wesentlich durch die Akustik des Raumes unterstützt wird, genießt unter Kennern einen besonderen Ruf. Dank eines regen Fördervereins gelang es, die Marienkirche und ihre Orgel in einen Zustand zu versetzen, der einen Besuch des Gotteshauses zu einem lohnenden Erlebnis werden lässt.

Ein weiterer bedeutender Orgelbaumeister hatte seine Werkstatt in Borna: Urban Kreutzbach (1796-1868), der auch als Silbermann des 19. Jahrhunderts bezeichnet wird. Dass er seine Spuren vor allem in der Umgebung hinterließ, versteht sich von selbst. So finden wir Werke von ihm nicht allein in Borna, sondern auch in Regis-Breitingen, Kitzscher, Wiederau, Thierbach und Eula. Kreutzbachs Erstlingswerk steht im Kitzscheraner Ortsteil Dittmannsdorf. In Borna kann man gleich zwei Kreutzbach-Orgeln hören und besichtigen. Die eine befindet sich in der Stadtkirche St. Marien, die andere in der 2007 aus Heuersdorf umgesetzten Emmauskirche.

Fotos: Silbermann-Orgel der Georgekirche Rötha, Urban Kreutzbach (Quelle: Archiv des Heimatvereins des Bornaer Landes e.V.)

Felix Mendelssohn-Bartholdy zu Gast in Kahnsdorf

Felix Mendelssohn-Bartholdy
Motiv aus dem für Rüdigsdorf geschaffenen Bilderzyklus „Amor und Psyche“ von Moritz von Schwind
Felix Mendelssohn-Bartholdy
Motiv aus dem für Rüdigsdorf geschaffenen Bilderzyklus „Amor und Psyche“ von Moritz von Schwind

Dr. Hans Ketzer vom Heimatverein des Bornaer Landes erweitert heute die Reihe "Bedeutende Köpfe" mit einem Beitrag über Felix Mendelssohn-Bartholdy und Moritz von Schwind.

 

Große Künstler zu Gast: Felix Mendelssohn-Bartholdy und Moritz von Schwind

 Mit Felix Mendelssohn-Bartholdy steht einer der Jubilare des Jahres 2009 nicht nur mit Leipzig, sondern auch mit dessen südlicher Umgebung in Verbindung. Viele der dort liegenden Rittergüter waren bereits früh in Besitz wohlhabender kulturinteressierter Leipziger Bürger gelangt. Diese verbrachten in deren Herrenhäusern oft die Sommermonate. Während dieser Zeit luden sie auch gern die berühmtesten Künstler, Schriftsteller und Musiker der Messestadt zu sich ein. Im August 1839 erging eine solche Einladung an Felix Mendelssohn-Bartholdy. Deren Absender war Heinrich Wilhelm Leberecht Crusius, einer der Initiatoren der ersten deutschen Ferneisenbahnstrecke zwischen Leipzig und Dresden, ein bedeutender Landwirtschaftsreformer und ein kunstsinniger Mann. Crusius besaß die Rittergüter Sahlis und Rüdigsdorf im Kohrener Land. Ende der 1830er Jahre kam er mit Moritz von Schwind in Kontakt. Der romantische Maler schuf für den Gartensalon der Rüdigsdorfer Orangerie neun Wandbilder. Dargestellt sind darauf Szenen aus dem antiken Märchen von Amor und Psyche. Heute gehört der so genannte Schwind-Pavillon zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des an diesen so reichen Kohrener Landes. Die feierliche Eröffnung des neu gestalteten Raumes fand am 25. August 1839 anlässlich des Stiftungsfestes der Leipziger Liedertafel statt. Der von Crusius eingeladene Felix Mendelssohn-Bartholdy wurde zu diesem Fest als Ehrengast begrüßt. Dies war freilich bei weitem nicht sein einziger Besuch in der Region südlich Leipzigs. So ließ er es sich nicht nehmen, auf der Silbermannorgel der Röthaer Marienkirche zu spielen. Auch auf dem Rittergut Kahnsdorf, das der Leipziger Gelehrtenfamilie Wendler gehörte, verbrachte er viele anregende Stunden. Frei von aller städtischen Betriebsamkeit musizierte er im Hause seiner kunstliebenden Gastgeber. Angetan war er vor allem von der „wohltuenden, schöpferischen Ruhe, gar nicht zu sprechen von der Beschaulichkeit des geschmackvoll angelegten Parks“. Aus diesem Grund können wir im Rahmen der 3. Schillerfestspiele vom 12.-14. Juni 2009 in Kahnsdorf zu Recht auch dem 200. Geburtstag des großen Gewandhauskapellmeisters und Komponisten gedenken.

 

Beigefügte Bilder (Archiv Heimatverein des Bornaer Landes):

Felix Mendelssohn-Bartholdy

Motiv aus dem für Rüdigsdorf geschaffenen Bilderzyklus „Amor und Psyche“ von Moritz von Schwind

 

Wir möchten Herrn Dr. Hans Ketzer und dem Heimatverein des Bornaer Landes für diesen und die vorherigen interessanten Beiträge herzlich danken.

 

Die Kahnsdorfer Begegnung

Dr. Hans Ketzer vom Heimatverein des Bornaer Landes erweitert heute die Reihe "Bedeutende Köpfe" mit einem Beitrag über die Begegnung von Friedrich Schiller mit Christian Gottfried Körner in Kahnsdorf.

 

Die Kahnsdorfer Begegnung leitete Schillers Lebenswende ein

 

Kahnsdorf, am neu entstandenen Hainer See gelegen, ist ein Ort voller kultureller Traditionen: Ein einziger Tag des Jahres 1785 stellte jedoch alles Andere in den Schatten: Am damaligen 1. Juli traf Friedrich Schiller auf dem dortigen Rittergut erstmals mit Christian Gottfried Körner zusammen. Dieser wurde sein engster Freund - ein Mäzen und geistiger Förderer, wie man sich keinen zweiten vorstellen kann. Die berühmte, in Beethovens 9. Sinfonie vertonte Ode „An die Freude“ entstand im Hochgefühl nach der Kahnsdorfer Begegnung. Um Schillers Gefühle zu verstehen, muss man um die missliche Lage wissen, in der er sich Anfang 1785 befand: Aus seiner Heimat desertiert, von seinem Landesherren verfolgt, in ungeheure Geldschulden verstrickt, hatte er sich in Mannheim als Theaterdichter versucht und war kläglich gescheitert. Seinen großen Anfangserfolg, das Stück „Die Räuber“, konnte er nicht wiederholen. So geriet er in eine tiefe Schaffenskrise. Hinzu kam die glücklose Liebe zu einer verheirateten Frau. So ergriff Schiller im Frühling 1785 den Strohhalm, den ihm ein Kreis Leipziger Verehrer in Gestalt einer Einladung in die Messestadt reichte. Körner, der zu diesen gehörte, lebte zu dieser Zeit jedoch in Dresden. Deshalb kam es erst in Kahnsdorf zur Begegnung mit Schiller, als sich Körner dort mit seinen Freunden zur Feier seines Geburtstages am 2. Juli verabredet hatte. Dank Körners lösten sich mit einem Schlag alle Probleme Schillers: Der wohlhabende Leipziger sorgte für seinen Lebensunterhalt und bezahlte seine drückendsten Schulden. Er ermöglichte ihm sorgenfrei an seiner Dichtung zu arbeiten. Nicht zuletzt vermittelte er Schiller in Gestalt von Georg Joachim Göschen einen Verleger, der zu den besten in Deutschland zählte. 

Dr. Hans-Jürgen Ketzer

Beigefügte Bilder (Archiv Heimatverein des Bornaer Landes e.V.):
Friedrich Schiller
Ansicht des Rittergutes zur Schillerzeit

 

Wir möchten Herrn Dr. Hans Ketzer und dem Heimatverein des Bornaer Landes recht herzlich für diesen, unsere Reihe abschließenden Beitrag, danken.