Gut Kahnsdorf

Das Gut Kahnsdorf gehörte einst der Familie Ernesti. Der Theologie-Professor Johann Christian Ernesti aus Leipzig lud häufig junge Künstler nach Kahnsdorf ein. So kam es am 1. Juli 1785 zu einer legendären Begegnung zwischen dem jungen Friedrich Schiller und Christian Gottfried Körner, dem Vater des Freiheitsdichters Theodor Körner. Von hier an wandte sich für Schiller alles zum Guten - er fand in Körner seinen Mäzen, der ihn von Schulden befreite, er traf auf Göschen, der zeitlebens sein Verleger werden sollte.

Die Körners in Kahnsdorf

Theodor Körner kennt fast jeder, der einmal in die deutsche Literaturgeschichte „reingerochen“ hat. „Das ist doch der mit Leier und Schwert, der dichtende Lützower Jäger“, wissen zumindest einige. Wer aber war Christian Gottfried Körner? Die naheliegendste Antwort lautet: Er ist Theodors Vater. Bei Lichte betrachtet lohnt es sich freilich, seine Lebensleistung eigenständig zu würdigen. Der Sohn eines Leipziger Superintendenten und Theologieprofessors stieg bereits mit 27 Jahren in ein bedeutendes Regierungsamt auf. Ihm unterstand die Organisation des gesamten sächsischen Schulwesens. Nach dem Tod seiner Eltern erbte er ein beträchtliches Vermögen. Hochbegabt – unter anderem dichtete und komponierte er – war er geistiger Mittelpunkt einer Gruppe junger Intellektueller, die Friedrich Schiller 1784 nach Sachsen einluden. Als dieser ein Jahr später nach Leipzig kam, entwickelte sich eine Freundschaft zwischen Körner und ihm. Sie war auch eine geistige Partnerschaft. Viele der philosophischen und literaturtheoretischen Gedanken, die heute Schiller zugeschrieben werden, stammen eigentlich von Körner. Zum engeren Bekanntenkreis der Familie Körner gehörte auch der Leipziger Professor Johann Christian Gottlieb Ernesti, dem das Rittergut Kahnsdorf gehörte. Dort war man oft zu Gast. Hier trafen sich auch Schiller und Körner zum ersten Mal. Als Theodor Körner 1813 bei Kitzen südwestlich Leipzigs schwer verwundet wurde, gelangte er über Großzschocher und Leipzig zunächst ebenfalls aufs Kahnsdorfer Rittergut. Dort war der Lützower Jäger, der sich in Feindesland befand, in Sicherheit und konnte gesundheitlich so weit hergestellt werden, dass er die Flucht nach Böhmen fortsetzen konnte. Beide Körners – Vater wie Sohn - waren erbitterte Gegner Napoleons. Einmal in Konflikt mit seinem König geraten, nahm Christian Gottfried Körner 1815 seinen Abschied aus dem sächsischen Staatsdienst. Noch im gleichen Jahr wurde er preußischer Staatsrat im Ministerium des Inneren. Als solcher setzte er die Reform des preußischen Volksschulwesens ins Werk. Allen, die Näheres über das Kahnsdorfer Treffen Schillers mit Körner erfahren möchten und nicht bis zum Juni warten wollen, sei eine Veranstaltung im Schillerhaus Leipzig-Gohlis empfohlen. Am 14. Mai, um 19 Uhr, findet sie unter dem Motto „Zu Gast bei Schiller“ statt. Dr. Hans-Jürgen Ketzer spricht zum Thema: „Bester Freund – der gestrige Tag, der zweite des Julius, wird mir unvergesslich bleiben …“ – Körners Geburtstagsfeier in Kahnsdorf – der Beginn einer Lebensfreundschaft.

Schillerhaus soll saniert werden

Nach dem zweiten Weltkrieg war die Gemeinde Kahnsdorf Eigentümer des Gutes Kahnsdorf. Im Jahre 2008 wurde es an die Firma Blauwasser verkauft. Das Schillerhaus wurde mit einem Teil des Gutes Anfang 2009 an die Mittelseen GmbH veräußert, die das Haus in seinen ursprünglichen Zustand zurückverwandeln will. Ziel der denkmalgerechten Sanierung ist zum einen das Zurückbauen der nach dem Krieg brutalen Umbauten mit der unsymmetrischen Fensteranordnung oder dem Toilettenanbau.

Das zukünftige Nutzungskonzept des Gebäude stellt sich der neue Eigentümer öffentlich vor - offen für Veranstaltungen, Ausstellungen zur Historie des ca. 1686 entstandenen Gebäudes, Hochzeiten und Firmen-Events.

Auf der Suche nach Ideen für die Nutzung des Schillerhauses haben wir uns in der Welt umgesehen... und hoffen, dass wir in den nächsten Jahren einen attraktiven Anziehungspunkt schaffen werden - mit dem Schillerhaus, dem Gutspark mit seinen alten Bäumen und der neu entstandenen Wasserkante zum Hainer See.